ACE-Studie

Die ACE-Studie

Wenn wir uns mit dem Thema Stress beschäftigen, vor allem mit chronischem Stress, dann kommen wir an der ACE-Studie nicht vorbei. Die ACE-Studie (ACE = Adverse Childhood Experiences) zeigt deutlich und unverständlich auf, wie belastende Kindheitserlebnisse das Verhalten und die Gesundheit der Betroffenen ein ganzes Leben lang beeinflussen. In dieser Studie wurden über 17.000 Erwachsene der US-amerikanischen Bevölkerung im Hinblick auf belastende Kindheitserlebnisse und deren Folgen untersucht.

Unter belastenden Kindheitserlebnissen, „adverse childhood experiences“ (ACE), versteht man alle Kindheitserlebnisse, die anhaltende, negative Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Betroffen auch im Erwachsenenalter noch haben. Das Konzept der belastenden Kindheitserlebnisse beinhaltet sowohl offensichtliche Kindesmisshandlung als auch weniger sichtbare Probleme im Elternhaus („household dysfunction“). 

 

Die Ergebnisse der ACE-Studie sind mehr als deutlich: Sie macht einen klaren und direkten Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und der späteren psychischen als auch physichen Gesundheit der Betroffenen im Erwachsenenalter sichtbar. Die Studie macht auch klar: Je stärker und zahlreicher die ACE's (adverse childhood experiences) auf den Betroffenen einwirkten, desto größer ist der negative Einfluss auf die Gesundheit, und das in allen Bereichen, von Suchtverhalten, verstärkter Gewaltneigung und Kriminalität bis hin zu Autoimmunerkrankungen.

In Fachkreisen wird das Gespräch über Trauma, und insbesondere über das viel schwerer erkennbare Phenomen des Kindheitstrauma immer lauter. Aber was genau bedeutet das? 

Kindheitstrauma (Entwicklungstrauma)

Erstmal möchte ich Klarheit schaffen darüber, was Trauma eigentlich ist. Denn oft wird dies misverstanden. Dr. Peter Levine, der Vater und Gründer von Somatic Experiencing, beschreibt es so: "Ein Trauma entsteht als eine Antwort des Nervensystems und hat seinen Ursprung nicht in einem äußeren Ereignis. Das Trauma ist im Nervensystem, nicht in dem Ereignis." Lesen Sie hier mehr darüber. 

Wenn wir Erfahrungen machen, die unsere Toleranzschwelle überschreiten, werden Überlebensstrategien wie Flucht, Kampf oder Einfrieren (Fight/Flight/Freeze) getriggert. Wenn uns das als Erwachsener passiert, wir aber einen gut ausgebildeten Vagus Nerv haben, kann der Körper relativ schnell wieder in den normal Zustand zurück kommen. Was der Vagus Nerv ist, darauf komme ich noch. Wenn wir aber als Baby oder Kleinkind regelmäßig Erfahrungen machen mussten, die unsere Toleranzschwelle überschritten haben, ist es für uns, auch heute als Erwachsene, nicht ganz so leicht, wieder in den Normalzustand zurück zu kehren. Oft bleiben wir dann im biochemischen Cocktail von Fight/Flight/Freeze stecken, und das zeigt sich in erhöhten Adrinalin und Cortisolwerten, aber eben auch chronisch verspannten Muskeln und chronischem Stress.


Wie genau entsteht also diese Dysregulation des Autonomen Nervensystems?

​Jedes Ereignis, das uns überwältigt, trägt dazu bei. Alles, was passiert, was zu schnell, zu viel oder zu plötzlich passiert. Alles, was darüber hinaus geht, was wir tolerieren können. Alles, was einfach zu viel ist.​

 

Was ist also zu viel? Was könnte uns Erwachsenen möglicherweise zu viel sein? Von jemandem bedroht zu werden, der eine Waffe auf meinen Kopf richtet? Ja möglicherweise. Oder in einem Kriegsgebiet leben? Oder einen Flugzeugabsturz erleben? Ja, das wäre für die meisten von uns zu viel und würde höchstwahrscheinlich ein Trauma verursachen. 


Für Kinder, insbesondere für Babys und Kleinkinder, sieht das Szenario jedoch ganz anders aus. Ihr Nervensystem ist noch nicht vollständig entwickelt. Genau gesagt ist nur ein Teil des Vagus Nervs entwickelt. Und zwar der, der für die Erstarrungsreaktion zuständig ist. Der andere Teil des Vagus Nervs muss erst noch ausgebildet werden und dazu bedarf es eine eingestimmte und präsente Mutter, die das Baby adequat spiegeln kann.

 

Babies sind wesentlich anfälliger für Reize von außen, als wir uns als Erwachsene vorstellen könnten. Es besteht also die Möglichkeit, dass viele, wenn nicht alle von uns, eine oder mehr Erfahrungen gemacht haben, die uns damals zu viel, zu schell oder zu plötzlich waren. Wenn dem so war, kann Einiges als Folgeerscheinung schief gelaufen sein. So ist ein Baby z.B. darauf angewiesen, dass - erstens - seine Mutter emotional präsent und verfügbar und auf das Baby eingestimmt ist. D.h die Mutter ist in der Lage zu spüren, in welcher Stimmung das Baby ist und kann darauf abgestimmt reagieren und dessen Bedürfnisse adequat befriedigen. Zweitens ist ein Baby darauf angewiesen, dass dies immer wieder verlässlich der Fall ist. Und drittens braucht das Baby adequate Spiegelung seiner Gefühlszustände. All das ist die Voraussetzung dafür, dass sich der Ventrale Vagus Nerv gesund und vollständig entwickeln kann. Im Gegensatz zum Dorsalen Vagus Nerv, der uns blitzschnell in die Erstarrung schickt, um uns bei Gefahr zu beschützen, sorgt der Ventrale Vagus Nervs sowohl für eine gute herzoffene Verbindung mit anderen und ein gesundes Miteinander als auch für Entspannung, Ruhe und Erholung. 

 

Das Problem ist, dass wir uns nicht bewusst sind, was uns in den ersten drei Jahren unseres Lebens passiert ist.

Was das bedeutet, ist folgendes:

 

So traurig es auch ist, aber die meisten von uns haben keine Ahnung, dass wir ein dysreguliertes Nervensystem haben.

 

Und die meisten von uns haben keine Ahnung, dass dies riesen Probleme in Bezug auf Beziehungen, Beruf, Karriere, unser Verdauungssystem, unsere allgemeine Gesundheit und viele andere Bereiche unseres Lebens verursachen kann!​​

 

Welche Indizien gibt es? Es gibt zahlreiche Symptome wie z.B. wiederkehrende Muster von dysfunktionellen Beziehungen, oder ständige Konflikte in Ihrer Ehe. Oder vielleicht haben Sie unklare Symptome wie Schmerzen und andere psychosomatische Beschwerden, zu denen Ärzte nur den Kopf schütteln. Oder haben Sie anhaltende Verdauungsprobleme, Autoimmunerkrankungen, Depression, chronische Anspannung, Schlafstörungen und andere Gesundheitsprobleme, die nicht zu überwinden scheinen, egal was Sie versucht haben?

 

Die Ursache für all das könnte ein nicht diagnostiziertes dysreguliertes Nervensystem, sprich unbewusstes Trauma, sein.

Die ACE-Studie, wie Sie weiter oben bereits gehört haben, beweist, dass Widrigkeiten in der Kindheit einen enormen Einfluss auf die lebenslange Gesundheit der Betroffenen haben. Lesen Sie hier mehr darüber.

 

Was können wir dagegen tun?

 

Das habe ich mich auch gefragt! Ich war zutiefst frustriert darüber, dass ich alle Anstrengungen in der Welt unternommen hatte, um meine Beziehungsprobleme, Verdauungsprobleme und andere Gesundheitsprobleme zu überwinden, jedoch ohne Erfolg. Bis ich eine Methode fand, die mir wirklich dabei geholfen hat, mein Autonomes Nervensystem wieder in einen ausgeglichen Zustand zu bringen und meinen Ventralen Vagus Nerv 'auf ein stärkeres Fundament zu stellen'. Es hat mir nicht nur 'geholfen'. Nein, es hat mein Leben komplett verändert!

 

Ich verstehe jetzt, dass die Arbeit mit dem Nervensystem zuerst kommen muss. Wir müssen in den meisten Fällen proaktiv etwas tun, um das Nervensystem in einen regulierten Zustand zurückzubringen. Es muss der erste Schritt auf der Heilungsreise Aller sein. Es muss geschehen, bevor wir wirklich und vollständig heilen können.​

 

Einer meiner Lehrer, Dr. Peter A. Levine, hat einmal gesagt: "Die Welt wird nicht vollständig erleuchtet sein, bis jeder Mensch auf dem Planeten ein reguliertes Nervensystem hat." 

Ich möchte beifügen: "vollständig erleuchtet und dauerhaft friedlich".

Finden Sie sich wieder in dem Text? Möchten Sie mehr wissen über dieses Thema? Möchten Sie Methoden lernen, die Ihnen helfen können? Das erste was Sie tun können, und das von zuhause aus, ohne jegliche Hilfsmittel, ist Ihren Vagus Nerv zu stärken. Denn dieser ist es, der zentral daran beteiligt ist, unser Nervensystem zurück in einen ausgeglichenen, gesunden Zustand zu bringen. Es gibt zahlreiche Übungen, die Ihnen helfen, den Vagus Nerv zu stärken. Sieben davon werden in meinem Buch Resilienz Trainieren - Was Resilienz stärken und Krisen meistern mit dem Nervensystem, Neuroplastizität und dem Vagus Nerv zu tun hat vorgestellt. Sichern Sie sich eine Kopie hier

Eine sehr einfache, aber wirksame Methode, um den Vagus Nerv zu stimulieren, ist die Loving Kindness Meditation. Klicken Sie hier, um zur Anleitung für diese Meditation zu gelangen. 

Die Methoden, die mir geholfen haben, nutze ich auch in meiner Arbeit. Kontaktieren Sie mich daher gerne, um einen Termin für ein Orientierungsgespräch zu vereinbaren und gemeinsam zu schauen, wie ich Sie am besten unterstützen kann. 

"Die Welt wird nicht vollständig erleuchtet sein, bis jeder Mensch auf dem Planeten ein reguliertes Nervensystem hat."

Peter Levine

 
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 ©2020 by Aneesha C. Mueller