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Still sitzen und atmen soll helfen... aber wir rasen stattdessen durchs Leben!


Ich müsste mal wieder meditieren, aber...

Laut eines Artikels, den ich kürzlich gelesen habe, ist es so: "Achtsamkeit soll dafür sorgen, dass der Mensch mit sich selbst im Einklang sein kann und seine eigenen Bedürfnisse erkennen kann. Dabei sollen verschiedene Übungen helfen, vor allem tägliches Meditieren." Und Stress reduzieren soll es natürlich auch. Klar.

OK. Und? Für wen ist es so einfach, wie es hier klingt? Wie leicht ist es in die Tat umzusetzen? Quält dich manchmal auch so ein beklommenes Pflichtgefühl? Und wer von uns hat schon Zeit zu viel! Ganz ehrlich...

Aber was wäre, wenn Du tatsächlich mit Dir selbst in Einklang sein könntest, sogar in schwierigen Situationen?

Und, musst du dafür wirklich jeden Tag eine halbe Stunde oder Stunde still sitzen und deinen Atem beobachten?

Ich wage zu behaupten, nein.

Vor einiger Zeit entdeckte ich eine andere Methode, die mir wirklich hilft, mit mir im Einklang zu sein: TRE®. Dazu später mehr.

Vor vielen vielen Jahren hatte ich genau dieses Problem: Ich hatte weder Zeit zu meditieren, noch ist es mir leichtgefallen. Im Gegenteil, ich fand es wirklich schwierig, einfach nur still zu sitzen und meinen Atem zu beobachten, während ich tausend Dinge auf meiner to-do-Liste hatte, die erledigt werden wollten.

Und genau deshalb habe ich vor mehr als 2 Jahrzehnten begonnen, alles zu erforschen, was mir auch nur ein klein wenig helfen konnte, runter zu kommen, innere Ruhe zu finden, zu entspannen und mit mir selbst im Einklang zu sein.

In meinen Zwanzigern war ich die meiste Zeit wie auf Speed. Immer schnell, ob im Auto, auf dem Fahrrad oder auf Ski. Ich war einfach immer so richtig schnell unterwegs. Und ich habe es auf sonderbare Weise genossen. Heute glaube ich, dass ich Adrenalin-süchtig war. Dieser Rush. Den fand ich einfach total gut.

Auf der Arbeit war ich oft sehr ungehalten und aufbrausend. Das gleiche in Beziehungen.

Apropos Beziehungen. Ich war eigentlich immer auch schnell wieder weg und hatte einen Neuen an der Angel. Sobald es ungemütlich wurde mit dem Beziehungspartner hab ich oft die Reißleine gezogen und hab mir einen neuen Freund gesucht. Gelitten habe ich darunter nicht wirklich.

Mit meinen Eltern war es sowieso schwierig. Die haben mir immer wieder die Knöpfe gedrückt. Und meine Reaktion darauf war dann - in den Augen meiner Eltern jedenfalls - zu laut, zu frech, zu dies, zu jenes. Aber ich konnte einfach nicht anders.

Kennst du das auch?

Ich hätte damals so gerne Vieles anders gemacht. Ich hab mich auf den Kopf gestellt, weil ich wirklich etwas ändern wollte. Aber nichts half. Jedenfalls nicht dauerhaft.

Heute weiß ich: Das war ein chronisch überreguliertes Nervensystem, welches mich zu solchen Reaktionen und Mustern getrieben hat. Ich steckte fest in einer Fight/Flight (Kampf/Flucht) Reaktion, eine Funktion des Sympathikus, Teil des Autonomen Nervensystems (ANS). Und deshalb fand ich es auch enorm schwierig, einfach nur still zu sitzen und meinen Atem zu beobachten.

Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Der anderen Pol des ANS: Die parasympathische Erstarrung, oder anders ausgedrückt, ein chronisch unterreguliertes Nervensystem. Diejenigen, die mehr auf dieser Seite 'zuhause' sind, haben gar kein Thema mit 'einfach-nur-sitzen-und-atmen'.

Beides ist eine Überlebens-Reaktion des Nervensystems, die uns bei Bedrohung schützen soll. Dazu später mehr.

Eine sehr milde Form der Erstarrung, in der Viele von uns immer noch ganz gut funktionieren, wird in Fachkreisen "funktionelle Erstarrung" genannt. Wir funktionieren, sei das im Job, als Schüler, als Hausfrau, als Tennispartner, als Führungskraft, als Ehefrau oder Ehemann. Ich denke, dieser Zustand ist noch schwerer zu erkennen als ein chronisch überreguliertes Nervensystem. Denn in dieser milden Form der Erstarrung funktionieren wir in der Regel immer noch so gut, dass wir kaum merken, dass wir nicht unser volles Potential leben. Und wir kennen es eben auch nicht anders.

Das Problem bei dieser milden Form der Erstarrung ist, dass wir nicht besonders viel fühlen. Denn diese Reaktion des Parasympathikus betäubt uns. Dadurch werden auch die Körperfunktionen eingedämmt und arbeiten auf Sparflamme. Das kann sich in Verdauungsproblemen, zu niedrigem Blutdruck, oder in ständig kalten Händen und Füssen äußern.

Und es kann passieren, dass wir in dieser Stressreaktion des Autonomen Nervensystems steckenbleiben, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Wenn du diese Symptome hast, heißt das zwar nicht automatisch, dass dein Nervensystem chronisch unterreguliert ist. Aber es könnte tatsächlich mit einer milden Form der Erstarrung zu tun haben. Auch das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Aber ganz ehrlich? Das habe ich sehr lange nicht verstanden. Und auch nicht glauben können. Denn auch ich habe wirklich immer ganz gut funktioniert. Ich war schon immer recht hell im Köpfchen, ich hatte eine erfolgreiche Karriere, ich hatte Ansehen, ich hab gut Geld verdient. Ok, in Sachen Beziehung lief es nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber alle anderen Bereiche meines Lebens waren in leuchtendes Rosa gehüllt und ich wurde von Vielen bewundert. Dass ich in manchen Bereichen ein chronisch unterreguliertes, und in anderen Bereichen ein chronisch überreguliertes Nervensystem hatte, war völlig transparent für mich und komplett unsichtbar für meine Umwelt.

Insgeheim aber wusste ich, dass meine Verdauung problematisch war, und ich wusste auch, dass ich beim Thema Beziehung ein oder zwei Leichen im Keller hatte.

Ich denke wir haben alle das ein oder andere Muster, welches wir gerne ändern würden. Ich habe wirklich lange versucht, meine Muster zu überwinden. Ich versuchte es immer wieder, aber irgendwann musste ich mir einfach eingestehen, dass ich es nicht ändern konnte, jedenfalls nicht mit purer Selbstdisziplin. Also habe ich mich auf den Weg gemacht und eine Methoden nach der anderen ausprobiert. Achtsamkeit stand da ganz oben auf meiner Liste.

Das erste, was ich damals, im Frühjahr 2000, versuchte, war ein 10-days Silent Retreat in Thailand. 10 Tage Stille. Das an sich war ja noch nicht das Schlimmste. Aber mir dem Chaos in meinem Kopf immer mehr bewusst zu werden, das hat mich total überfordert. Und mir bewusst zu werden, wie wenig ich mit meinen Gefühlen verbunden war, wie wenig Körperbewusstsein ich hatte. Das war ein Schock für mich.

In Stille zu sitzen war schwer zu ertragen. All die Gefühle und all der mind-fuck, der sich mir zeigte während ich den ganzen Tag meditierte, waren schier unerträglich für mich.

Heute weiß ich, was da passiert ist: Ich hatte bis dahin mein Leben in einer 'funktionellen Starre' verbracht, die jetzt langsam auftaute.

Um all die Kindheitsverletzungen nicht ständig fühlen zu müssen, war ich innerlich abgestumpft. Und da war ich nun, 10 Tage lang, und es war nichts, rein gar nichts, zu tun. Es gab nichts, womit ich mich hätte ablenken können. Eine gute Gelegenheit also für mein Unterbewusstsein, aus dem tiefen Sumpf meiner unterdrückten Kindheitserinnerungen ein paar alte Gefühle an die Oberfläche zu bringen.

Bis dahin war mein Nervensystem so 'nett' gewesen, mich mit Hilfe dieser funktionellen Erstarrung davor zu beschützen, all das spüren zu müssen. Aber in diesem 10-days silent retreat war keinerlei Bedrohung, kein Trigger von außen, keine Ablenkung, nichts, was meine dunklen Gedanken und unangenehmen Gefühle hätte übertünchen können. Ich fühlte mich so geborgen und sicher in diesem buddhistischen Kloster. Die Sicherheit und Geborgenheit öffnete mich, und all diese alten Schutzmechanismen gaben Stück für Stück nach. Mein Körper lechzte danach, dieses innerliche eingefroren sein auftauen zu lassen. Aber meine Psyche war völlig überfordert damit.

Heute weiß ich, dass es besser gewesen wäre, langsam und behutsam aus einer solchen chronischen Erstarrung 'rauszukommen', wenn möglich mit fachkundlicher Begleitung, so dass die Psyche all die Gefühle und Erinnerungen, die damit assoziiert sind, auch verarbeiten kann. Heute weiß ich, dass dieser Prozess manchmal sogar über Tage oder Wochen verteilt werden sollte, damit es nicht zu einer Re-traumatisierung kommt.

Der Punkt ist der: Das Nervensystem 'benutzt' diesen Überlebensmechanismus des 'Fight/Flight/Freeze', also Kampf/Flucht/Erstarrung, um unser Überleben zu schützen. Es ist also ein Schutzmechanismus, der dazu gedacht ist, für kurze Zeit angeschaltet zu werden, und dann wieder ausgeschaltet zu werden!

Das Problem mit einem chronisch über-, oder unterregulierten Nervensystem ist, dass dieser An- und Ausschaltmechanismus nicht mehr richtig funktioniert. Das Ding bleibt an. Oder eben aus. Und zwar dauerhaft.

Und da hilft eben auch kein Achtsamkeits-Gedöns.

Da braucht es etwas anderes.

Um aus der funktionellen Starre aufzutauen, haben mir Osho's Aktive Meditationen geholfen. Aber Vorsicht: Zu viel Aktivierung durch kathartische Methoden, und der Schuss kann auch nach hinten los gehen. Es kann nämlich dazu führen, dass wir ganz schnell einfach wieder einfrieren, weil es alles zu viel ist. Zu viel Gefühl, zu viele überwältigende Gedanken. Alles zu schnell und zu plötzlich. Und wenn das Nervensystem chronisch dysreguliert ist, macht es eben auch sehr schnell wieder zu, wenn etwas zu viel ist. Alles zu unserem Schutz. Und alles eben auch automatisch. Das Großhirn hat keinen Einfluss darauf.

Was tun?

Da hab ich gute Neuigkeiten. Denn durch meine eigene langjährige Suche danach, wie ich meine eigenen Muster auflösen kann, bin ich auf die Tension & Trauma Release Exercises (TRE®) gestoßen.

TRE® habe ich in 2016 entdeckt nach einem 13-tägigen Prozess, der viele kathartische Elemente beinhaltete. Und obwohl mein Bewusstsein sich definitiv geweitet hatte und ich viel mehr über mich verstanden hatte, war mir klar, dass mein Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen war durch den Prozess.

Ich war schon vorher mit TRE® in Berührung gekommen und hatte die Wirksamkeit bereits am eigenen Leib erfahren. Dadurch wusste ich auch, dass mein Nervensystem wieder in Fight/Flight feststeckte. Also meldete ich mich für das Training an, um ein zertifizierter TRE® Provider zu werden. Eine goldrichtige Entscheidung. Ich lernte über die Polyvagal Theorie, Trauma, Ursachen von Trauma, Neurobiologie und vieles mehr. Das half mir einerseits, die Ursache für meine Muster endlich zu verstehen und mir selbst verzeihen zu, dass ich es nicht aus 'eigener Kraft' hatte ändern können. Und mein völlig überspanntes Nervensystem konnte sich Schritt für Schritt entspannen und zu einem gesunden Gleichgewicht zurückfinden.

TRE® ist reine Körperarbeit und besteht aus 7 Übungen, die leicht zu erlernen sind. Es ist als Selbsthilfewerkzeug konzipiert. Trotzdem ist es wichtig, mit einem erfahrenen TRE® Provider zu arbeiten. Denn ein integraler Teil dieser Methode ist es, dass der Anwender vertraut wird mit seinem eigenen Nervensystem und lernt, die Sprache des Nervensystems zu verstehen. Nur dann ist er in der Lage, TRE® richtig zu dosieren, so dass sein Nervensystem tatsächlich zur Balance zurückfinden kann und nicht stattdessen in alte Muster zurückfällt.

Hier findest du mehr Informationen über TRE®.

Wenn dich in diesem Artikel etwas anspricht und du das Gefühl hast, es könnte auch für dich relevant sein, was ich hier beschreibe, stöber gerne mal auf meiner Webseite herum und schau, ob das Angebot für dich in Frage kommt. TRE® ist nur eine der Methoden die ich anbiete. Solltest du an TRE® interessiert sein, kannst du mit mir arbeiten oder du kannst andere TRE® Anbieter in Deutschland finden, und zwar hier.

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