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Mit dem Kopf gegen die (unsichtbare) Wand


"Ich komm einfach nicht weiter, egal was ich mach!"

Ich glaube jeder von uns kennt das Gefühl, dass wir in einer Beziehung, in der Ehe, oder in der Arbeit festgefahren sind, feststecken, uns im Kreis drehen, einfach nicht weiterkommen.

Dieses Gefühl von "Ich würde ja gerne, aber ich kann irgendwie nicht!" Oder: "Ich tu' ja schon Alles, ich meditiere, ich arbeite an mir, und trotzdem kann ich mich nicht ändern? Trotz alledem geh ich in die Luft? Was ist bloß mit mir los?! Das kann doch nicht sein!"

Doch kann es! Und Du bist nicht alleine! Ich kenne das selbst nur zu gut! Jahrelang steckte ich fest in schmerzhaften und ungesunden Mustern, welche mich fast zur Verzweiflung brachten. Erst jetzt weiß ich, dass Gesprächstherapie, kathartische Methoden und sogar stille Meditation mir nicht wirklich viel geholfen haben. Zumindest nicht mit diesen festgefahrenen Mustern.

Nachdem ich das erste Mal mit Trauma-Arbeit in Berührung kam, dämmerte es mir so langsam. Die Ursache, das eigentliche "Problem", sind nicht nur die schädlichen Glaubensätze, die vielen Gedanken oder dass die Energie im Mentalen gebunden ist (zumindest sind die nicht alleine schuld). "Nur" Meditieren hilft also nicht wirklich. Auch Gesprächstherapie schien es nicht zu sein. Warum bloß?

Nun ja, wie ich dann so langsam aber sicher herausfand, ist das wirkliche Problem ein dysreguliertes Nervensystem. Das heißt, das Problem steckt im Körper, nicht im Geist. Nein. Noch nicht einmal in unbewussten Emotionen.

Das eigentliche Problem ist ein zu hoher Erregungsgrad im Nervensystem. Diese nervliche Über-Erregung ist eine traumabedingte Endlosschleife, die sich bei besten Willen nicht von alleine auflösen lässt. Es braucht sehr spezialisierte Maßnahmen und tiefgehendes Verständnis über die neurophysiologischen Vorgänge im Körper. Alleine daraus befreien kann der Körper sich nicht.

Ja, das ist in vieln Fällen die eigentliche Ursache für schmerzhafte Muster, aus denen wir beim besten Willen nicht austeigen können.

Jetzt fragst Du Dich sicher wie so was sein kann. Wie hängt das Alles zusammen. Ich erkläre es Dir gerne.

Die (unbewusste) Ursache ist oftmals Entwicklungstrauma.

Entwicklungstrauma - was ist das und wo kommt es her?

Entwicklungstrauma ist nichts anderes als ein chronisch unter- oder überreguliertes Nervensystem und ein nicht besonders gut ausgebildeter ventraler Vagus Nerv (auch 'Selbstheilungsnerv' genannt), und das ist schleichend und während der frühen Kindheit entstanden. Wir waren so jung, dass wir daran kein Erinnerungsvermögen haben. Keine gute Situation. Und wie genau ist dazu gekommen? Gute Frage. Dem wollen wir hier auf den Grund gehen.

Wenn wir Erfahrungen machen, die unsere Toleranzschwelle überschreiten, werden Überlebensstrategien wie Flucht, Kampf oder Einfrieren (aka 'Fight/Flight/Freeze') getriggert. Wenn uns das als Erwachsener passiert, wir aber einen gut ausgebildeten ventralen Vagus Nerv haben, kann der Körper relativ schnell wieder in den Normalzustand zurückkehren. Was der Vagus Nerv ist, darauf komme ich noch.

Wenn wir aber als Baby oder Kleinkind regelmäßig Erfahrungen machen mussten, bei denen unsere Toleranzschwelle überschritten wurde, ist es für uns, auch heute als Erwachsene, nicht so leicht, wieder in den Normalzustand zurück zu kehren. Oft bleiben wir dann im biochemischen Cocktail von Fight/Flight/Freeze stecken, und das zeigt sich in erhöhten Adrenalin- und Kortisol-Werten, und z.B. auch in chronisch verspannten Muskeln, chronischem Stress, häufigen Konflikten mit Anderen und vielen anderen Symptomen wie Schlafstörungen oder Reizmagen.

Die Forschungsergebnisse sind klar. Bessel van der Kolk erklärt in seinem Buch 'The body keeps the score':

“As the ACE (Adverse Childhood Experiences) study has shown, child abuse and neglect is the single most preventable cause of mental illness, the single most common cause of drug and alcohol abuse, and a significant contributor to leading causes of death such as diabetes, heart disease, cancer, stroke, and suicide.”

Ja, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Diese Studie macht es überdeutlich: Erlebnisse in der Kindheit haben einen eindeutigen und direkten Einfluss auf unsere Gesundheit heute, und zwar mental und körperlich.

Wie genau entsteht also diese Dysregulation des Autonomen Nervensystems?

​Zu einem bestimmten Zeitpunkt in unserem Leben haben wir ein Ereignis (oder mehrere Ereignisse) erlebt, das uns einfach überwältigt hat. Es war mehr als wir damals tolerieren konnten. Es war einfach zu viel.​

Was heißt zu viel? Was könnte mir als Erwachsenen möglicherweise zu viel sein? Von jemandem bedroht zu werden, der eine Waffe auf meinen Kopf richtet? Ja möglicherweise. Oder in einem Kriegsgebiet leben? Oder einen Flugzeugabsturz erleben und überleben? Ja, das wäre für die meisten von uns zu viel und würde höchstwahrscheinlich ein Trauma verursachen.

Für Kinder, insbesondere für Babys und Kleinkinder, sieht das Szenario jedoch ganz anders aus. Das Nervensystem eines Babys ist noch nicht vollständig entwickelt. Genau gesagt ist nur ein Teil des Vagus Nervs entwickelt. Und zwar der, der für die Erstarrungsreaktion zuständig ist, das ist der dorsale Vagus Nerv. Der andere Teil des Vagus Nervs, der ventrale Teil, muss erst noch ausgebildet werden und dazu bedarf es einer auf das Baby eingestimmten und präsenten Mutter, die das Baby adäquat spiegeln kann.

Babys sind wesentlich anfälliger für Reize von außen, als wir uns als Erwachsene vorstellen könnten. Es besteht also die Möglichkeit, dass viele von uns, wenn nicht alle von uns, eine oder mehr Erfahrungen gemacht haben, die uns damals zu viel waren. Wenn dem so war, kann so Einiges als Folgeerscheinung schief gelaufen sein!

So ist ein Baby z.B. darauf angewiesen, dass - erstens - seine Mutter emotional präsent und verfügbar und auf das Baby eingestimmt ist, d.h. die Mutter ist in der Lage zu spüren, in welcher Stimmung das Baby ist und kann adäquat darauf reagieren, das Baby spiegeln und dessen Bedürfnisse befriedigen.

Und zweitens ist ein Baby darauf angewiesen, dass dies immer wieder verlässlich der Fall ist. Es funktioniert nicht, wenn es mal der Fall ist und mal nicht. Jedes Baby braucht das Gefühl, dass es sich darauf verlassen kann, dass die Mutter mit voller Präsenz und Offenheit zur Verfügung steht. Ok. Aber wir wissen alle, dass dies heute wie damals nicht oder zumindest nicht immer der Fall war.

Die verlässliche emotionale und physische Verfügbarkeit der Mutter ist aber die Voraussetzung dafür, dass sich der der ventrale Teil des Vagus Nervs, der bei Geburt noch nicht online ist, gesund und vollständig ausbildet. Dies ist der Teil des Vagus Nervs der für Verbindung und gesundes Miteinander verantwortlich ist. Außerdem senkt er den Puls auf schonende Weise, wenn wir gestresst sind.

Wird die gesunde Entwicklung des Vagus Nervs durch die gute Bindung zwischen Baby und Mutter unterstützt, wird das Kind bei Erregung durch eine Bedrohung die Nähe zur Bezugsperson suchen und sich dadurch beruhigen können. D.h. der Körper eines solchen Babys muss nur die Kampf/Flucht Reaktion aktivieren, wenn keine enge Bezugsperson zur Verfügung steht. Ein solches Baby entwickelt auch die Fähigkeit, sich relativ schnell an neue Menschen zu gewöhnen, so dass es sich diesen in Not auch zuwenden und sich dadurch beruhigen kann.

Okay, so weit so gut.

Wir wissen bereits, dass es zwei Stränge des parasympathischen Nervensystems gibt; den dorsalen ('groben') Vagus Nerv, der für die Erstarrungsreaktion zuständig ist, und den ventralen Vagus Nerv, der das soziale Miteinander regelt. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass bei Geburt tatsächlich nur der 'grobe' Teil des Vagus Nervs 'online' ist: Der dorsale Vagus Nerv. Er ist wie gesagt dafür zuständig, dass wir 'im Notfall' erstarren können, und das bereits ab dem ersten Lebenstag. Warum? Als Schutz natürlich.

Wenn dem Neugeborenen etwas zu viel wird (zu viel Gefühl, zu starke äußere Reize, zu viel Hunger, zu warm, zu kalt, Angst etc. pp., lass Deiner Phantasie freien Lauf), schützt das parasympathische Nervensystem mit dem dorsalen Vagus Nerv das Kleine so, dass es 'einfriert', oder erstarrt. Dies ist eine Betäubung, ähnlich einer Narkose.

Natürlich existiert diese Starre auf einer weiten Bandbreite. Es kann wie eine totale Lähmung sein, aber es gibt auch abgeschwächte Versionen der Erstarrung, in der wir als Erwachsene z.B. noch ganz gut funktionieren.

Für ein Neugeborenes als auch für uns Erwachsene ist die Erstarrung ganz klar ein Schutzmechanismus, der für kurze Zeit vorgesehen ist, bis ein Bedürfnis gestillt wird und damit der unerträgliche Zustand gelöst wird.

Das Problem ist, dass es in der frühen Kindheit u.U. immer wieder zu ähnlichen Vorkommnissen gekommen ist, welches das Neugeborene oder das Kind überfordert haben und immer wieder erstarren ließ. Fehlt dann die mütterliche Präsenz, das eingestimmte Spiegeln des Kindes, kann sich der sich der ventrale Vagus Nerv nicht richtig entwickeln. Wird dann das Kind bedrohlichen Situationen ausgesetzt, hat der Körper keine andere Wahl als den Fight/Flight/Freeze Mechanismus als Abwehr einzusetzen.

Mit einem gesunden und gut ausgebildeten ventralen Vagus Nerv jedoch hat das Kind eine weitere Wahl. Dieser Teil des Vagus Nervs sorgt dafür, dass es sich, wie bereits erwähnt, einer Bezugsperson zuwenden kann, die dann dafür sorgt, dass sich das Nervensystem des Kindes wieder beruhigt.

Das Problem ist, dass wir uns nicht bewusst sind, was uns in den ersten drei Jahren unseres Lebens, während der Geburt und im Mutterleib passiert ist. Denn bis zum dritten Lebensjahr ist der Teil des Gehirns noch nicht voll ausgebildet, der uns für die folgenden Jahre das Erinnerungsvermögen an die Vergangenheit schenkt.

Was das bedeutet, ist folgendes:

So traurig es auch ist, aber die meisten von uns haben keine Ahnung, ob wir ein gut reguliertes oder ein dysreguliertes Nervensystem haben.

Und die meisten von uns haben keine Ahnung, dass ein dysreguliertes Nervensystem riesen Probleme in Bezug auf Beziehungen, Beruf, Karriere, unser Verdauungssystem, unsere allgemeine Gesundheit und viele andere Bereiche unseres Lebens verursachen kann!​​

Sie haben Symptome wie wiederkehrende Muster von dysfunktionellen Beziehungen, oder ständiger Konflikt in Ihrer Ehe? Oder haben Sie unklare Symptome wie Schmerzen und andere psychosomatische Beschwerden, zu denen Ärzte nur den Kopf schütteln? Oder haben Sie anhaltende Verdauungsprobleme, Autoimmunerkrankungen, Depression, chronische Anspannung, Schlafstörungen und andere Gesundheitsprobleme, die nicht zu überwinden scheinen, egal was Sie versucht haben?

Die Ursache für all das könnte ein nicht diagnostiziertes dysreguliertes Nervensystem sein.

Was können wir dagegen tun?

Das habe ich mich auch gefragt! Ich war zutiefst frustriert darüber, dass ich alle Anstrengungen in der Welt unternommen hatte, um meine Beziehungsprobleme, Verdauungsprobleme und andere Gesundheitsprobleme zu überwinden, jedoch ohne Erfolg.

Bis ich eine Methode fand, die mir wirklich dabei geholfen hat, mein Autonomes Nervensystem wieder in einen ausgeglichen Zustand zu bringen und meinen Ventralen Vagus Nerv 'auf ein stärkeres Fundament zu stellen'.

Es hat mir nicht nur 'geholfen', es hat mein Leben komplett verändert!

Ich verstehe jetzt, dass die Arbeit mit dem Nervensystem zuerst kommen muss. Wir müssen in den meisten Fällen pro-aktiv etwas tun, um das Nervensystem in einen regulierten Zustand zurückzubringen. Es muss der erste Schritt auf der Heilungsreise Aller sein. Es muss geschehen, bevor wir wirklich und vollständig heilen können.​

Einer meiner Lehrer, Dr. Peter A. Levine, hat einmal gesagt: "Die Welt wird nicht vollständig erleuchtet sein, bis jeder Mensch auf dem Planeten ein reguliertes Nervensystem hat."

Ich möchte beifügen: "vollständig erleuchtet und dauerhaft friedlich".

Wenn Sie mehr über die Methode erfahren wollen, die mir geholfen hat, freue ich mich über Ihre email an info@aneesha.de.

Bis dahin alles Gute,

Aneesha

 
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 ©2020 by Aneesha C. Mueller